Keurig Kold: Coca Cola eine Konkurrenz für Sodastream?

Update: Am 07. Juni verkündete Keurig die Einstellung des Verkaufs der ersten Generation, weil man anhand des Kunden-Feedbacks erkannt habe, dass die Soda-Maschine nicht die Erwartungen erfüllt, insbesondere im Hinblick auf den Preis, die Geschwindigkeit und den Nutzen.


Anfang des Jahres 2014 wurde bekanntgegeben, dass sich Coca Cola für 1,25 Milliarden Dollar bei der bekannten US-Kaffeefirma „Keurig Green Mountain“ einkaufte und damit eine 10-prozentige Beteiligung erhält. Das Unternehmen zeichnet sich vor allem durch seine beliebten Kaffee-Einwegtabs (K-Cups) aus, was für einen Marktanteil von mehr als 70 Prozent sorgt. Im Vergleich: Nespresso hält gerade einmal drei Prozent.

Keurig-Cold-Soda-Sprudler

© keuriggreenmountain.com

In Zusammenarbeit mit Coca Cola hat Keurig Green Mountain nun eine Soda-Maschine auf den Markt gebracht (Verkaufsstart: 29. September 2015), als „Keurig Kold“ bezeichnet, die zur Herstellung von kalten Getränken wie Eiskaffee, Eistee und sämtlichen Limonaden wie Sprite oder Coca Cola dient.

Die 370 Dollar (UVP) teure Maschine kann die Getränke vollautomatisch auf rund 4 °C herunter kühlen und benötigt keinen CO2-Zylinder, wie es bei den SodaStream-Wassersprudlern der Fall ist, da kohlensäurehaltige Einwegkapseln zum Einsatz kommen.

SodaStream sieht die Sache gelassen. „Wir können Coca-Cola nur zu dieser späten Entscheidung gratulieren, 100 Jahre nach Sodastream auch in den Markt einzusteigen“, äußerte sich Henner Rinsche, Geschäftsführer der deutschsprachigen DACH-Region, hämisch zu dieser Verkündung.

In der Tat gibt es wenige Gründe für eine Beunruhigung, die wir einmal im Detail betrachten wollen:

1

SodaStream-Kunden setzen auf Minerwalwasser

Keurig Green Mountain, mit großem Interessensgebiet von Coca Cola, wappnet sich damit, viele verschiedene Kaltgetränke in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen anbieten zu können, ohne dass nach dem Sprudelvorgang Sirup händisch hinzugegeben werden muss. Fraglich ist jedoch, inwiefern Konsumenten an dieser Möglichkeit interessiert sind.

Ein Großteil der SodaStream-Kunden (93 %) nutzt einen Sprudler dazu, um ausschließlich Mineralwasser oder nur gelegentlich Mineralwasser mit Sirup zu erzeugen. Der Keurig Kold ist nicht explizit darauf ausgelegt Mineralwasser zu sprudeln, sondern mithilfe von Einwegkapseln Limonade zuzubereiten. Im Vordergrund steht nicht die massenhafte Zubereitung, sondern die Variation an verschiedenen Getränken. Nachteilig ist, dass der Keurig Kold nach wenigen Getränken mehr als zwei Stunden herunterkühlen muss.

2

Hohe einmalige und fortlaufende Kosten

Mit einem Preis ab 300 Dollar, abhängig vom Händler, ist der Keurig Cold deutlich teuerer als ein herkömmlicher Wassersprudler (sechs Mal so teuer wie der SodaStream Cool, drei Mal so teuer wie der SodaStream Crystal). Während bei SodaStream regelmäßig der CO2-Zylinder getauscht werden muss, sind es bei der Konkurrenz nicht nur der hohe Anschaffungspreis, sondern auch die kostenintensiven Einwegkapseln, die für nicht unerhebliche Kosten sorgen.

Eine Fertigkapsel kann 8 oz., umgerechnet 0,23 Liter, Fertiggetränk liefern und kostet zwischen 1,12 Dollar und 1,25 Dollar. SodaStream kann die vergleichbare Menge preistechnisch deutlich unterbieten. Da selbst SodaStream-Getränke nicht zwingend preiswerter als im Supermarkt angebotene Limonade sind, wird es für Keurig Green Mountain mit Coca Cola umso schwerer, auf dem Markt Fuß zu fassen und die Konsumenten vom Angebot zu überzeugen.

Keurig Green Mountain wird nicht an den Soda-Sprudlern verdienen, diese sogar subventionieren müssen, sondern an den Einwegkapseln. Aufgrund dessen war es eine essentielle Vorgehensweise, mit namhaften Getränkeherstellern Lizenzverträge zu schließen und die verschiedenen Limonaden in Kapselform anzubieten. Analysten gehen davon aus, dass sich die angesetzten Preise negativ auf die Verkaufszahlen auswirken werden, bis diese um mindestens ein Drittel gesenkt werden.

3

SodaStream setzt auf eigenen Geschmack

SodaStream möchte sich nicht mehr als Alternative zu Coca Cola, Pepsi und Co. sehen, wie es jahrelang kommuniziert und praktiziert wurde, sondern seinen eigenen Weg gehen. Firmenchef Birnbaum sagt, dass sich die Präferenzen der Kunden von herkömmlichen Softdrinks hin zu gesundem, karbonisiertem Wasser bewege.

Der gelegentliche Konsum von Softdrinks könne dennoch durch die Palette an verschiedenen Sirups ermöglicht werden.

Es werden nicht mehr die Geschmacksrichtungen von bekannten Getränkeherstellern imitiert, sondern der Fokus auf die Eigenkreationen gerichtet. Jüngst hat SodaStream in den USA 50 neue Geschmacksrichtungen auf den Markt gebracht, was sinnbildlich für die Neuausrichtung steht. Diese sind in fünf Kategorien unterteilt: Fruits, Zero-Calorie, Vitamin-infused plus line, Flavored Essence und Sparkling Gourmet.

Diese strategische Ausrichtung kann ein wichtiger Meilenstein im Konkurrenzkampf sein, dem sich SodaStream bis dato nicht ausgesetzt sah. Interessanterweise hat auch SodaStream annonciert, zu einem unbekannten Zeitpunkt den sogenannten „Ultimate“-Sprudler auf den Markt zu bringen, der ebenfalls in der Lage sein wird, kalte und und heiße Getränke nach Bedarf zu produzieren.

Dem Konsumenten wird es möglich sein, Getränke in weitaus größeren Portionen zu erzeugen. Der Kohlensäuregehalt, die Temperatur sowie die Geschmacksintensität sollen über einen Touch-Screen individuell einstellbar sein. Wir dürfen gespannt sein.


Zu guter Letzt noch einige Details zum Keurig Cold. Folgende Getränke lassen sich mit dem Soda-Sprudler erzeugen:

Coca-Cola Company: Coca Cola, Diet Coke, Coke Zero, Sprite, Fanta

Dr Pepper Snapple Group: Dr Pepper, Canada Dry

Keurig:

  • Seraphine: Kalorienfreies Mineralwasser mit mediterranen Fruchtaromen wie Maracuja oder Limette
  • FLYTE: Isotonisches Getränk mit verschiedenen Geschmacksrichtungen
  • Waterful: Kalorienfreies, leicht aromatisiertes und gesüßtes Wasser mit verschiedenen Geschmacksrichtungen
  • Red Barn Craft Soda: Natürlich aromatisiertes Mineralwasser, hergestellt aus reinem Rohrzucker. Verschiedene Geschmacksrichtungen wie Root Beer oder Zitrone/Limette
  • Flynn’s Soda Shop: Klassische Getränkespender-Getränke wie Diet Root Beer, Orangencreme oder Vanillecreme
  • Tierney’s Iced Tea: Verschiedene Eistee-Sorten

Schon vor dem Verkaufsstart erhielten einige Leute die Möglichkeit, den Keurig Kold zu testen und zu bewerten. Zum Ende des ersten Verkaufstages waren 25 Bewertungen vorhanden, der Bewertungsdurchschnitt lag bei vier von fünf Sternen. Folgende positive und negative Argumente wurden dabei erwähnt:

  • die Getränke sind perfekt gekühlt
  • einfach zu benutzen
  • große Auswahl an Getränken
  • Getränke schmecken gut und wie ihr Original
  • optimal für kleinere Portionen
  • Spaß bei der Anwendung

  • hoher Anschaffungspreis und laufende Kosten
  • ausschließlich kleine Portionen
  • nimmt viel Platz ein
  • lauter Lüfter
  • muss dauerhaft mit Strom versorgt werden
  • benötigt nach rund sechs Portionen mehrere Stunden zum herunterkühlen

 

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