Stiftung Warentest: 30 Mineralwässer im Test

Wer der Meinung ist, Bier belege bei durstigen Deutschen Platz eins im Wettstreit um den beliebtesten Durstlöscher, der irrt! Mineralwasser hat die Nase vorne! Fast 150 Liter Pro-Kopf-Verbrauch sprechen eine deutliche Sprache.

Doch hält das Sprudelwasser, was es verspricht? In einem aktuellen Test von Stiftung Warentest wurden 30 Mineralwässer auf Herz und Nieren geprüft. Die Ergebnisse sind durchaus als überraschend zu bezeichnen. Tatsächlich konnte nämlich kein einziges Wasser das Ergebnis „sehr gut“ für sich verbuchen.

Was muss Mineralwasser können?

Sieht man sich in heimischen Supermärkten um, lockt ein breitgefächertes Angebot an Mineral- und Tafelwässern aller Art. Für nahezu jeden Geschmack und Geldbeutel findet sich das richtige Wasser.

Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass „Mineralwasser“ ein rechtlich geschützter Begriff ist. Nicht jedes Wasser kann also als Mineral- oder Tafelwasser fungieren, es gibt klar definierte Kriterien.

Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTVO)

Die Mineral- und Tafelwasserverordnung legt seit 1984 fest, welches Wasser als natürliches Mineralwasser/Quellwasser/Tafelwasser ausgewiesen werden darf. Beschaffenheit der Flüssigkeit, die Art und Weise, wie das Wasser abgefüllt ist, Analyse sowie Kennzeichnung sind gesetzlich geregelt. Deutlich definierte Kriterien gilt es zu erfüllen.

Diese sind unter anderem:

  • Ursprung in unterirdischem vor Verunreinigung geschütztem Wasservorkommen (natürliche oder künstliche Quelle)
  • Ursprüngliche Reinheit
  • Ernährungsphysiologische Eigenart/Wirkung durch Gehalt an Mineralstoffen und Spurenelementen
  • Zusammensetzung, Temperatur und andere wesentliche Merkmale dürfen nicht verändert werden

(Vgl. MTVO, Fassung Juli/2017)

Jedem sein Wässerchen

Der Mineralwasser-Markt boomt. So sind spezielle Zusammensetzungen beziehungsweise ein hoher Wert an bestimmten Spurenelementen für manche Personengruppen ganz besonders geeignet, was entsprechend beworben wird.

  • Mineralwasser für Babys: Hier gelten strikte Vorgaben, da die Zubereitungsmöglichkeit von Säuglingsnahrung ausgewiesen wird
  • Mineralwasser als Kalziumquelle: für jene Personen interessant, die Milchprodukte nicht vertragen oder aus ethischen Gründen ablehnen
  • Mineralwasser als Magnesiumquelle: für Sportler besonders geeignet
  • Mineralwasser zur Regulation des Säure-Basen-Haushaltes

Wird gehalten, was das Etikett verspricht? Stiftung Warentest hat genauer hingeschaut!

Stiftung Warentest: 30 Mineralwässer im Test

Ein aktueller Test von Stiftung Warentest nahm 30 marktbedeutende Mineralwässer „Medium“ (mittlerer Kohlensäuregehalt) in den Blick.

Es handelt sich um 12 Markenwässer und 18 Eigenmarken. 27 Wässer sind in PET-Flaschen, 3 Mineralwässer in Glasflaschen abgefüllt.

Hier die zusammengefassten Testergebnisse in Tabellenform:

MarkeEdeka Gut & GünstigFranken BrunnenLidl SaskiaGerolsteinerKaufland K-ClassicAldi (Nord) QuellbrunnAldi Süd Aqua CulinarisEdeka Gut & GünstigMineauNetto Marken-Discount NaturalisRewe ja!AlasiaKaufland K-ClassicNaturpark QuelleRewe ja!Adelholzener SanftLidl SaskiaNorma SurfPenny ElitessPenny ElitessMerkurApollinarisFrische BriseFörstinaRudolf-QuelleNorma SurfReal QualityReal TipVilsa BrunnenNetto Marken-Discount Naturalis
QuelleVitaqua Quelle, WolfhagenHochstein-Quelle, Neustadt/AischSaskia Quelle, Wörth am RheinGerolsteiner, GerolsteinNoé-Quelle, ErftstadtBrandenburger Urstromquelle, Baruth/MarkAltmühltaler-Quelle, TreuchtlingenBaruther Johannesbrunnen, Baruth/MarkGräfin-Katharina-Quelle, WöpseVitalbrunnen, Baruth/MarkFontane-Brunnen, Kloster LehninAlasia Mineralquelle, Bad LiebenwerdaFonsana Quelle, Baruth/MarkNaturparkquelle, Mainhardt-BaadArnoldi-Quelle, GermeteAdelholzener AlpenQuell Bergen, BergenSaskia Quelle, LöningenQuintus-Quelle, BruchsalAstoria-Quelle, Münster, ÖsterreichFontane-Brunnen, Kloster LehninLaurentius Quelle, HecklingenClassic Quelle, Bad NeuenahrMariusquelle, AspachFörstina Sprudel, Eichenzell-LütterRudolf-Quelle, EichenzellVitaqua Quelle, WolfhagenBergquelle, ThalfangErbeskopf-Quelle, MalbornVilsa-Brunnen, Bruchhausen-VilsenFonte Guizza Quelle, Scorzé VE Italien
Preis/Liter0,13 €0,54 €0,13 €0,53 €0,13 €0,13 €0,13 €0,13 €0,25 €0,13 €0,13 €0,24 €0,13 €0,26 €0,13 €0,58 €0,13 €0,13 €0,13 €0,13 €0,31 €0,69 €0,24 €0,51 €0,23 €0,13 €0,23 €0,13 €0,46 €0,13 €
test-UrteilGUT (2,2)GUT (2,2)GUT (2,2)GUT (2,3)GUT (2,4)GUT (2,5)GUT (2,5)GUT (2,5)GUT (2,5)GUT (2,5)GUT (2,5)GUT (2,6)GUT (2,6)GUT (2,6)GUT (2,6)GUT (2,7)GUT (2,7)GUT (2,8)GUT (2,8)GUT (2,8)GUT (2,9)GUT (3,0)GUT (3,0)GUT (3,1)GUT (3,2)GUT (3,5)GUT (3,5)GUT (3,5)GUT (3,5)GUT (3,7)

Die wichtigsten Testkriterien:

  • Sensorisches Urteil (Aussehen, Geruch, Geschmack, Mundgefühl, Intensität)
  • Kritische Stoffe: Bestimmung von Arsen, Blei, Chrom, Kadmium, Nickel, Nitrat, Uran, Vanadium sowie Radium-Aktivitätskonzentrationen 226 und 226 (Bewertung anhand der MTVO und Trinkwasserverordnung)
  • Mikrobiologische Qualität
  • Oberirdische Verunreinigung
  • Verpackung
  • Deklaration
  • Ausgewählte Merkmale und Charakterisierung (Mineralstoffgehalt; Prüfung auf Ammonium, Brom, Eisen, PVC, Acetaldehyd u.a.)

Überraschendes Ergebnis

Das Ergebnis des aktuellen Mineralwässer-Tests von Stiftung Warentest überrascht.

Kein einziges Wasser kann das Ergebnis „sehr gut“ für sich verbuchen. Von 30 getesteten Mineralwässern erhielten 11 das Ergebnis „gut“, 18 Wässer müssen sich mit dem Ergebnis „befriedigend“ begnügen.

Die Testergebnisse lassen sich unter anderem durch die streng gefassten Kriterien der MTVO erklären. So beruhigt es den Verbraucher eventuell, dass – trotz anders anmutender Ergebnisse – der Großteil der getesteten Mineralwässer bedenkenlos auch in sehr großen Mengen konsumiert werden kann.

Einzige Ausnahme bildet das Naturalis-Wasser von Netto (aus der italienischen Quelle Fonte Guizza). In diesem Mineralwasser ist der ermittelte Chrom-Wert zu hoch, um als bedenkenlos eingestuft zu werden.

Der Test-Verlierer kassiert daher „ausreichend“ in der Gesamtbewertung.

Gründe für die Testergebnisse

1

Die Quelle selbst

Das Kriterium der ursprünglichen Reinheit (MTVO) bewirkt, dass Brunnenbetriebe ihr Wasser kaum verändern dürfen.

Viele durch die Quelle (Gesteinsabgaben) beigemengten Stoffe können daher nicht entfernt werden und sind demzufolge in den Wässern (wenn auch meist weit unter der Leitgrenze nach der MTVO bzw. Trinkwasserverordnung) auffindbar.

Hierzu zählen vor allem Chrom, Nickel oder Radium.

Am Beispiel von Arsen wird dieser Umstand deutlich: Das Halbmetall darf nämlich entfernt werden! Stiftung Warentest konnte Arsen demnach in nur zwei Fällen (Aldi Süd und Adelholzener) überhaupt nachweisen.

2

Oberirdische Verunreinigung

Wenn auch unbedenklich beim Genuss der Mineralwässer, führen durch den Menschen bedingte Verunreinigungen natürlich das Kriterium der ursprünglichen Reinheit ad absurdum.

Vor allem Produkte aus Landwirtschaft, Industrie und Abwasser sind es, die das Testergebnis entsprechend ausfallen lassen. So finden sich in fünf Fällen Spuren von Süßstoffen, Korrosionsschutzmitteln oder Pestizidabbauprodukten.

3

Geschmackliche Beeinträchtigung durch Kunststoff

Dass die meisten Mineralwässer in PET-Flaschen abgefüllt werden, schlägt sich deutlich im Geschmacksergebnis nieder, wie Stiftung Warentest belegen konnte.

Bei der Herstellung des Kunststoffes entsteht nämlich Acetaldehyd. Wenn dieser Stoff ins Wasser übergeht, sorgt er schon in kleinsten Mengen für einen unnatürlich fruchtigen Geschmack.

Die höchste Konzentration von Acetaldehyd wurde beim Naturalis-Wasser von Netto festgestellt. Zwar ist dies aus gesundheitlicher Sicht nicht als bedenklich einzustufen, aber die geschmacklichen Einbußen wirken deutlich. Auch Vilsa und Mineau (Vilsa-Brunnen) weisen einen wahrnehmbaren Geschmack nach Kunststoff auf.

Die Quelle macht’s!

Ein interessanter Aspekt, den der Test von Stiftung Warentest verdeutlicht:

Mineralwässer der selben Hersteller können durchaus von unterschiedlicher Qualität sein. Entscheidend ist nämlich die Herkunftsquelle und die richtet sich meist nach dem Standort.

Der Verbraucher sollte das Etikett also entsprechend studieren.

Naturalis-Wasser von Netto belegt diesen Umstand: Aus der italienischen Quelle Fonte Guizza stammend, weist es die erwähnte hohe Konzentration von Chrom auf. Aus dem Vitalbrunnen in Baruth gewonnen, ist das Wasser vom selben Hersteller unbedenklich.

Auch Saskia-Wasser von Lidl spricht hier eine deutliche Sprache: Aus der Quelle Wörth am Rhein gewonnen, ist es (neben Franken Brunnen) Testsieger, aus der Quelle Löningen rangiert es eher im Mittelfeld.

Spezielle Wässer

Halten sie, was sie versprechen? Stiftung Warentest hat hier besonders gut hingeschaut.

1

Mineralwässer für Babys

Stiftung Warentest hat Naturalis (Vitalbrunnen), Norma Surf (Vitaqua Quelle), Real Tip (Erbeskopfquelle) und Vilsa Brunnen unter die Lupe genommen. Alle vier Wässer werden den streng definierten Anforderungen gerecht!

2

Mineralwässer als Kalziumquelle

Stiftung Warentest zeigt auf, dass Mineralwässer als Kalziumlieferanten durchaus nicht zu viel versprechen.

Beispielsweise füllt ein Liter Naturparkquelle den Kalziumbedarf eines Erwachsenen zur Hälfte. Auch Gerolsteiner, Frische Brise oder Förstina liefern hier gute Ergebnisse (1/3 des täglichen Kalziumbedarfs wird pro Liter gedeckt).

3

Mineralwässer als Magnesiumquelle

Gerade für Sportler und körperlich hart arbeitende Menschen liefert Stiftung Warentest interessante Ergebnisse: Den täglichen Magnesiumbedarf einer Frau von 300 mg/Tag (Männer: 350 mg) deckt ein Liter Apollinaris zur Hälfte. Gerolsteiner liefert circa 30 Prozent des täglichen Magnesiumbedarfs. Franken Brunnen, Frische Brise und Merkur etwa ein Fünftel.

4

Mineralwässer zur Regulation des Säure-Basen-Haushaltes

Hydrogenkarbonat hilft dem Körper den Säure-Basen-Haushalt zu regulieren und verschafft Abhilfe bei Problemen wie gereiztem Magen oder Sodbrennen. Apollinaris und Gerolsteiner weisen einen sehr hohen Gehalt an Hydrogenkarbonat auf, dicht gefolgt von Förstina.

Fazit

Die aktuellen Testergebnisse von Stiftung Warentest lassen Mineralwässer in neuem Licht erscheinen. Hier müssen jedoch die strengen Vorgaben durch die Mineral- und Tafelwasserverordnung mit einbezogen werden.

Diese ändern jedoch nichts daran, dass oberirdische Verunreinigungen (durch den Menschen bedingt) und Spuren von Acetaldehyd im Wasser das Geschmackserlebnis trüben.

Dennoch: Außer in einem Fall (Naturalis-Wasser von Netto, Quelle: Fonte Guizza) ist der Genuss selbst in großen Mengen gesundheitlich völlig unbedenklich.

Etwas teurere Markenwässer aus Glasflaschen überzeugen geschmacklich (und umwelttechnisch) in jedem Fall, doch auch für die schmälere Geldbörse bieten sich qualitativ gleichwertige Alternativen, etwa Gut & Günstig von Edeka oder Saskia von Lidl (Quelle Wörth am Rhein).

Bedenken sollte der Verbraucher, dass sich von der Marke nicht automatisch auf die Qualität schließen lässt. Wesentlich ist die Quelle des Wassers und die kann beim selben Anbieter durchaus variieren.

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